Fischerort-Südstadt (Eodatia)
Allgemein
Fischerort-Südstadt ist der südliche Bezirk von Eodatia, der Hauptstadt des Heiligen Kaiserreichs, zwischen den Mündungsarmen des Rifan am Thalassa. Aus mehreren Fischerdörfern und der planmäßig angelegten Südstadt zusammengewachsen, versorgt der Bezirk mit seinem Fischmarkt die ganze Stadt; sein südwestlicher Teil, das Fischergrab, gilt als das ärmste und undurchdringlichste Viertel Eodatias.
Südlich an der Küste, zwischen den Mündungsarmen des Rifan, liegt Fischerort, ehemals eine Ansammlung mehrerer Fischerdörfer entlang des Thalassa, heute aber einer der wichtigsten Versorgungsbetriebe für die Stadt. Tausende Fischer schaffen hier täglich Massen an Meeresfrüchten auf die Märkte. In den letzten Jahrzehnten ist der ehemals eigene Ort mit der neu angelegten Südstadt, der Erweiterung der Palaststadt in Richtung Thalassa, zusammengewachsen. Im Gegensatz zur künstlich angelegten Südstadt jedoch hat Fischerort seine eigene Geschichte und vor allem sein Flair erhalten können.
Wenn auch die Gegend heute fast durchgehend bebaut ist, haben sich die Menschen in Fischerort eine gewisse Eigentümlichkeit bewahrt. Schrullige alte Männer, die von den guten alten Zeiten erzählen, über alles zeternde Frauen und eine gewisse Abneigung allem Fremden gegenüber sind hier weit verbreitet. Ein noch recht neuer Teil des Viertels, im Volksmund Fischergrab genannt, liegt südöstlich nahe den großen Hafenanlagen von Steinklippen. Hier hat sich die ehemals weitläufige Bebauung durch einen ständigen Zustrom an mittellosen und zwielichtigen Menschen eine unüberschaubare Masse von an- und aufeinander gebauten, völlig unkontrolliert wachsenden Gebäuden entwickelt. In ihren Gassen und Hinterhöfen bietet dieses Häusermeer den Ärmsten der Armen Unterkunft und dient ob seiner Undurchschaubarkeit auch dem Untergrund als Schlupfloch.
Herkunft des Namens
Fischerort nach den alten Fischerdörfern am Thalassa, Südstadt nach der neu angelegten Erweiterung der Palaststadt nach Süden.
Politik
Der Fischmarkt untersteht der Marktaufsicht der Stadt; im Fischergrab endet die Zuständigkeit der Stadtwache oft an der nächsten Gasse, und der Untergrund Eodatias hat dort sein sicherstes Schlupfloch.
Geschichte
Die Fischerdörfer entlang der Küste sind älter als die Stadt selbst. Erst in den letzten Jahrzehnten wuchsen sie mit der Südstadt zusammen; das Fischergrab entstand in derselben Zeit durch den ständigen Zustrom mittelloser Zuwanderer.
Einwohner
Tausende Fischer und ihre Familien, Netzflicker, Räucherer, Bootsbauer, in der Südstadt kleine Handwerker und Angestellte, im Fischergrab die Ärmsten der Armen und zwielichtiges Volk. Die Alteingesessenen sind schrullig, laut und Fremden gegenüber misstrauisch.
Stadtbild
Am Wasser Bootsschuppen, Räucherhütten und die Hallen des Fischmarkts, dahinter die geraden Straßen der Südstadt; im Fischergrab ein Häusermeer aus an- und aufeinandergebauten Hütten, in dem sich selbst die Büttel verlaufen.
Berühmte Bauwerke
- Fischmarkt, über den täglich Massen an Meeresfrüchten in die Stadt gehen.
- Fischergrab, das unkontrolliert gewachsene Häusermeer nahe den Hafenanlagen von Steinklippen.
- Anker-Schule, die Handwerksschule des Bezirks.
Besonderheiten
- Markt
- Hafen
- Lagerhaus
Banken
- Creditanstalt Commerz: Hinter den Hallen des Fischmarkts sitzt in einem unscheinbaren Kontorhaus die Creditanstalt Commerz, die Privatbank aus der Palaststadt, die für ihre waghalsigen Finanzierungen bekannt ist. Hier geht es nicht um Handelsexpeditionen über das Meer, sondern um Boote: Wer ein neues Fischerboot bauen lassen will, eine Fangfahrt vorfinanzieren muss oder nach einem Sturm ohne Netze dasteht, bekommt hier Geld gegen Anteile am nächsten Fang.
Gasthäuser
- "Zur Räucherkammer" (einfaches Gasthaus, mit Betten): Zwischen den Hallen des Fischmarkts und den Räucherhütten am Wasser liegt die "Räucherkammer", eine niedrige Fischerkneipe, in der es nach Rauch, Salz und Tang riecht, weil die Räucheröfen der Nachbarschaft ihren Qualm gleich mit durch die Fenster schicken. Auf den Bänken sitzen Fischer, die vom Morgenfang erzählen, Netzflicker mit Nadeln hinter dem Ohr und alte Männer, die schon vor dreißig Jahren wussten, dass früher alles besser war. Die Fischsuppe ist dick, das Bier dünn, und wer sich als Fremder ans falsche Ende der Bank setzt, bekommt einen langen Blick, bevor ihm jemand Platz macht. Wirtin Grete Salzbrink.
Händler
- Fischmarkt (Fischmarkt): In den Hallen am Wasser wird von Sonnenaufgang an alles gehandelt, was die Boote aus dem Thalassa und den Mündungsarmen bringen: Fisch, Krebse, Muscheln, Algen und Tran.
- Nahrungsmittel (Lebensmittel): Nicht ein Stand oder Geschäft, sondern verschiedene kleine Auslagen bilden das Angebot, das von den Bauern, Hirten und Sammlern der Umgebung hier zum Verkauf angepriesen wird.
Kampfschulen und Lehranstalten
- Hinterhof im Fischergrab (Kampflehrer): Im Häusermeer des Fischergrabs, wo die Gassen so eng sind, dass sich zwei Karren nicht ausweichen können, liegt ein Hof, den man nur durch einen Torbogen mit zerbrochenem Wappen erreicht. Hier bringt Kalle Krumm, ein ehemaliger Ringkämpfer vom Kolosseum mit plattgedrückter Nase, jedem, der bezahlt und den Mund hält, den Kampf ohne Waffe bei, wie er im Fischergrab überlebt wird: Fäuste, Griffe, Würfe und das kurze Messer, das man erst sieht, wenn es zu spät ist. Seine Leute sind Schläger und Ringer aus dem Viertel, die für ein paar Heller als Übungsgegner herhalten und dabei nicht immer sanft sind.
- "Anker-Schule" (Schule): Ein großer eiserner Anker auf einem Findling vor dem Tor ist das Wahrzeichen der Anker-Schule, der Handwerksschule von Fischerort, die eine Stiftung der Fischerzünfte vor hundert Jahren gegründet hat, damit die Kinder der Fischer etwas anderes lernen als das Netz. In den langen Werkhallen hinter dem Tor wird gewebt, getöpfert, gefärbt, geschneidert und gezimmert, im Hof Tau geschlagen und Leder zugeschnitten, und in einer Nebenhalle hängt die große Tafel, auf der die Meister ihre Kurse anschlagen. Fremde sieht man hier ungern, doch wer zahlt und arbeitet, wird geduldet und nach ein paar Tagen sogar gegrüßt. Lehrt Tierkunde, Webkunst, Töpfern, Stoffe färben, Seiler, Maurer, Hauswirtschaft, Schneidern, Zeichnen, Lederarbeiten und Holzbearbeitung.
- "Der Aufseher" (Lehrmeister): In einem Hinterhof am Rand des Fischergrabs, zwischen aufgebockten Booten und Wäscheleinen, übt ein breitschultriger Abajaide mit der langen Lederpeitsche, und das Knallen ist bis zum Fischmarkt zu hören. Seinen Namen nennt er nicht; die Nachbarn nennen ihn den Aufseher, und wer ihn nach der Herkunft des Namens fragt, bekommt einen Blick, der die Frage beendet. Er lehrt den Umgang mit der Peitsche als Waffe, mit der man einen Gegner auf drei Schritt entwaffnet, umreißt oder fernhält, und nimmt nur Schüler, die auch nach der ersten Lektion wiederkommen. Lehrt Peitsche.
- "Fischermann's Freund" (Lehrmeister): Ein zumindest dem Aussehen nach über einhundert Jahre alter Seebär mit zwei Holzbeinen lehrt allen, die hartes Geld auf den Tisch legen, seine Kenntnisse über die See und die Fischerei. Lares Freunds Händedruck ist viel fester als gedacht, stellst du fest, als du seine Stube mit der Aufschrift "Fischermann's Freund" betrittst und er dir die behaarte Pranke reicht. Lehrt Navigation, Wettervorhersage, Fischen, Boote fahren und Seefahrt.
- Hejiddeanan (Lehrmeister): Hejiddeanan ist ein Tekkaio vom Südkontinent, der mit einem Gewürzschiff nach Eodatia kam und in Fischerort hängen blieb, weil ihm, wie er sagt, das Meer hier vertraut roch. Auf einem Stück Strand zwischen den Bootsschuppen, das die Fischer ihm überlassen haben, übt er täglich mit dem Chakram, der scharfen Wurfscheibe seiner Heimat, und trifft damit einen an einer Stange befestigten Apfel auf zwanzig Schritt. Er unterrichtet die Kunst des Wurfes, die er nach eigenem Bekunden zur Vollendung gebracht hat, mit großer Ernsthaftigkeit und in einem Imperial, das mehr Gesten als Wörter kennt. Lehrt Chakrams.
- Philia aus Terimachos (Lehrmeisterin): Die alte Philia aus Terimachos unterrichtet dich gegen bare Münze in den Künsten des Tränkebrauens, gegen eine großzügigere Spende sogar in den etwas dunkleren Künsten. Lehrt Alkohol brennen, Giftkunde, Alchimie und Pflanzenkunde.
Umgebung
- Landschaft: Küste zwischen den Mündungsarmen des Rifan am Thalassa, flach und sandig
- Vegetation: Salzwiesen, Schilf und Strandhafer
- Tierwelt: Möwen, Krabben, Seehunde auf den Sandbänken, Ratten und Katzen im Fischergrab
Wegweiser
Landweg
- Auenhof-Weststadt (Eodatia) (Hl. Kaiserreich (Königreich Eodatien)), 7 Meilen (Innenstadt, Stadt)
- Palaststadt (Eodatia) (Hl. Kaiserreich (Königreich Eodatien)), 7 Meilen (Innenstadt, Stadt)
- Steinklippen (Eodatia) (Hl. Kaiserreich (Königreich Eodatien)), 7 Meilen (Innenstadt, Stadt)
