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Kapitän Einarsson

1.690 Bytes hinzugefügt, 12 Juni
Inhalt
Vor langer Zeit waren wir im Antlantik unterwegs, da war ich dritter Maat, so lange ist das schon her, da war ich auf Hundswache. Vom Poopdeck beobachtete ich mit dem Bootsmann zusammen ein Schiff. Wir hatten mehrfach Signale mit den Flaggen gegeben, aber da drüben hat keiner reagiert. Man konnte auch keinen Ton hören, keine Schiffsglocke, keine Kommandos, kein gar nichts. Das war schon echt merkwürdig. Wir haben den anderen Kasten dann auch weiter beobachtet bis zur Dämmerung, wie dann plötzlich irgendwelche schattenhaften Figuren aus dem Meer auftauchten und an Bord enterten. Ganz leise konnten wir dann Geräusche hören, die immer lauter wurden. Schmerzens- und Todesschreie klangen zu uns hinüber. Dann legt sich plötzlich wie aus dem Nichts ein merkwürdiger Nebel um das fremde Schiff und man hörte gar nichts mehr. Die Segel schauten oben noch raus und plötzlich, obwohl nur ganz wenig Wind ging, blähten sich die Segel auf, wie beim dollsten Sturm, der Vordersteven schießt aus dem Nebel heraus und das Schiff geht über den Bug voraus im Wasser unter. Innerhalb von ein paar Herzschlägen schloß sich die See über dem Heck und das Schiff war verschwunden. Ich sags euch, danach mussten der Bootsmann und ich erstmal die Buchsen wechseln.
 
An einem windstillen langweiligen Tag auf See, mitten im Thelassameer, machte unser Schiffjunge Finn, der oben im Krähennest hockte, eine Entdeckung. "Schiffbrüchiger voraus!" schrie er und tatsächlich, als auch ich mit dem Fernrohr hinaus aufs Wasser sah trieb dort ein grosses Fass und aus dem Wasser ragte ein Blondschopf, der sich mit einer Hand am Fass festhielt und mit der anderern wild in unsere Richtung winkte. Zwei Matrosen ließen das Beiboot runter und ruderten hin, um den Kerl an Bord zu holen. "Erst dat Fass!" rief der Kerl im Wasser und tatsächlich, erst als das Fass ins Beiboot gehievt war, ließ auch er sich retten.
 
Kaum hatten wir das Beiboot wieder vertäut und die Matrosen und der Schiffbrüchige samt Fass an Deck unseres Seglers angelangt, keuchte der triefnasse und erschöpfte Blondschopf: "Bei den Jöttern! Isch dachte schon, Ihr lasst misch und meinen besten Jahrjang einfach vorbeitreiben und absaufen! Habt Dank fürs Rausfischen!"
 
Was für ein komischer Kerl! Der hielt tatächlich immer noch sein Fass fest, als würde es sonst davon rollen. Also fragte ich verwundert: "Was ist denn da drin, dass Ihr mehr um das Fass, als um Euer Leben bangtet?" "Der beste Rum, der beste Droppen, den et je in Antamar jejeben hat!" sagte der Kerl laut und euphorisch. "Zum Dank dürft Ihr alle nen Schlock probieren, aber jeder nur en nen wönzijen Schlock!" Dann tat der Kerl so, als lupfte er einen Hut und stellte sich vor: "Jestatten? Minge Name is Pitter Jroschenjrab, Händler für jeistije Jetränke aus Amrunhaven."
 
Und so lernte ich an jenem Tag: Manche Männer klammern sich an ihr Leben – andere an ihren Rum. Das Zeug war wirklich lecker!
==Prüfvermerk==
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