Guîrfóg

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Die Guîrfóg sind eine menschliche Kultur.

Das fahrende Volk durchstreift ganz Nordlaurentia und besteht aus Kleinsippen, die ihr Graubrot mit Handel, Kunsthandwerk, Wahrsagerei und zumindest angeblich kleineren Diebereien verdient.

Allgemeine Informationen

Das fahrene Volk durchreist seit scheinbar Anbeginn der Geschichtsschreibung ganz Nordlaurentia und erfreut sich bei den Einwohnern dieser Region unterschiedlicher Beliebtheit. Einerseits sind die Guîrfóg als Händler, Gaukler, Kunsthandwerker und natürlich auch als Zukunftsdeuter und Heiler beim Volk beliebt und geachtet, andererseits aber auch als Schadzauberer, Diebe und Halsabschneider verrufen und gehasst. Doch nicht nur der einfache Bauer, auch der Adel bringt diesem Volk eine Hassliebe entgegen. Während es bei den Damen der oberen Schichten als äusserst schick gilt, sich mit dem Flair des fahrenden Volkes zu umgeben, auf Banketten zu ihrer lebensfrohen Musik tanzen zu lassen und sofern möglich, einen kleinen Park mit einem Wagendorf für nachmittägliche Gesellschaften anzulegen, beobachtet der Burgherr die Guîrfóg misstrauisch. Könnten die Durchreisenden doch Spione fremder Mächte, Saboteure oder ganz schlicht Unruhestifter sein.

Anatomie

Die Guîrfóg sind zwar normale Menschen, doch gibt es einige Besonderheiten, die je nach derzeitigem Aufenthaltsort mehr oder weniger stark auffallen. Sie sind recht klein, von schlankem bis drahtigem Wuchs, haben schwarzes, meist lang getragenes Haar und oft als stechend bezeichnete, dunkle Augen. Ihre Haut ist sehr hell und scheint auch bei starker Sonne nicht zu bräunen. Der Bartwuchs ist nicht sonderlich stark ausgeprägt, was auch auf die restliche Körperbehaarung zutrifft. Sofern ein Fahrender ausreichend Bartwuchs für einen ansehnlichen Schnauz- oder Kinnbart hat, wird er diesen voller Stolz tragen und sorgfältig stutzen und pflegen...das trifft sowohl auf die Männer, als auch auf die Frauen zu!

Leben auf der Straße

Die Guîrfóg durchreisen das Land in kleinen Sippen von meist 20 bis 30 Personen; selten weniger und fast nie mehr. Grundsätzlich verfügt jede Familie innerhalb der Sippe über einen eigenen Wagen, der meist von 4 kräftigen Pferden, seltener von Ochsen gezogen wird. Dazu kommen noch zwei oder drei mit Planen gedeckte Karren, in denen gemeinsame Vorräte, Handelswaren, Zeltplanen und Werkzeuge mitgeführt werden. Ein üblicher Reisetag beginnt meist vor Sonnenaufgang mit einem gemeinsamen Frühstück und einem Ritual der Caurlliâh, in dessen Verlauf die Wagen und Zugtiere vor bösen Geistern geschützt werden. Dann wird das Lager abgeschlagen und pünktlich zum ersten Sonnenlicht setzt sich der Zug in Bewegung. Bei einem hastigen Aufbruch wird auf das Frühstück verzichtet, notfalls bleiben auch Zelte und Vorräte zurück; das Abreiseritual wird aber in jedem Fall durchgeführt. Traditionell beginnt jede Reise der Sonne entgegen, also Richtung Osten. Erst nach etwa einer halben Stunde schlägt der Trek dann seine eigentliche Richtung ein, was oft genug eine Kehrtwendung erfordert. Nur in Ausnahmefällen wird gleich bei der Abreise die eigentliche Reiserichtung eingeschlagen. Ein Mittagessen in dem Sinne ist an Reisetagen unbekannt, es werden unterwegs die Reste des Frühstücks im Wagen zu sich genommen. In den Pausen sind die Guîrfóg zu sehr damit beschäftigt, ihre Tiere zu versorgen, Wasser und Holz für den Abend zu sammeln und handwerklichen Tätigkeiten nachzugehen, wie kleineren Reperaturen am Wagen oder der Herstellung von Handelswaren. Am späten Nachmittag werden die Wagen zu einem nach Westen hin offenen Kreis aufgestellt, mittels Seilen und Pflöcken eine Weide für die Tiere abgesteckt und Vordächer aus Zeltplanen an die Wagen montiert. Ist ein mehrtägiger Aufenthalt geplant, werden gar Vorzelte und ein seperates Kochzelt aufgebaut. Danach beginnt die Zubereitung des Abendessens auf einem gemeinsamen, oder mehreren nah beieinander platzierten Feuern. Wer nicht mit Kochen beschäftigt ist, wendet sich wieder seinem Handwerk zu. Gegen Sonnenuntergang wird dann das gemeinsame Abendessen eingenommen, nach Möglichkeit im Freien. Dieses geht üblicherweise nahtlos in eine kleine Feier über, deren eigentlicher Zweck der Dank an die Geister für den überstandenen Tag zu sein scheint. Lange geht eine solche Feier allerdings nicht, und wer zu spät und/oder mehr als nur leicht angetrunken in seinen Wagen klettert, kann im Ansehen der Sippe schnell sinken.

Sprache und Schrift

Die Sprache der Guîrfóg [ sprich: Gwirfoch ] gilt als Grundlage einiger Gaunersprachen, was man jedoch keinem Guîrfóg gegenüber erwähnen sollte. Ausser natürlich, man legt nicht sonderlich viel Wert auf ein vollzähliges Gebiss. Tatsächlich sind viele Begriffe aus der sehr komplizierten Sprache in verschiedene Diebesdialekte eingeflossen, jedoch weist keine der bekannten Gaunersprachen auch nur ansatzweise Ähnlichkeiten mit der sehr komplexen Grammatik der Sprache des fahrenden Volkes auf. Eine besondere Eigenheit dieser Sprache ist der Umgang der Guîrfóg mit ihr. Wenn ein Aussenstehender ihre Sprache benutzt, ohne sie wirklich flüssig zu beherrschen, wird dies als Beleidigung aufgefasst. Spricht man die Sprache jedoch flüssig und weitestgehend akzentfrei, so fühlen sich die Guîrfóg in höchstem Masse geehrt und werden ihrem Gegenüber sofort anbieten, von der Sippe adoptiert zu werden ( was man dankend ablehnen sollte ). Üblicherweise sprechen alle Angehörigen der Sippen die jeweilige Landessprache, die sie oft auch zumindest rudimentär lesen können. Ihre eigene Sprache beherrschen alle Guîrfóg flüssig, ebenso die zugehörige, mit ihren verschlungenen Schriftzeichen schön anzuschauende, Silbenschrift.

Glaube und Weltsicht

Der Glaube ist ein wilder Mix aus allen möglichen Religionen der bekannten Völker Anterias und wird auch gerne mit Elementen gemischt, die sich gegenseitig widersprechen. Und natürlich hat jede Sippe noch ihre religiösen Eigenheiten, an denen aus Tradition fest gehalten wird. Doch das alle Guîrfóg miteinander Verbindende, ist die Art des Schamanismus, welcher der Wahrsagerei, der Heilkunst, der Zauberei und den Flüchen zugrunde liegt und in den Festen immer wieder zum Vorschein kommt. Manche nennen es Aberglaube, doch für die Guîrfóg ist es das Tarot und diese Kunst, mit den Göttern und der Geisterwelt in Kontakt zu treten, wurde ihnen der Legende nach von der heiligen Zarah, einer Priesterin der lúnasadhischen Göttin Mearaicheah, als Segen für immer mit gegeben.

Geisterwelt

Die Geisterwelt ist für die Guîrfóg wichtiger als die Götter, denn welcher Gott oder welche Göttin kümmert sich schon um die Sorgen des fahrenden Volkes. Die Geister hingegen sind so unstet wie die Guîrfóg selbst. Sie haben weder im Diesseits noch im Jenseits einen festen Ort, sie bleiben nicht in der Vergangenheit gefangen, noch verweilen sie in der Gegenwart, noch versperren die Schranken der Zeit ihnen den Weg in die Zukunft. Nicht mal dem Guten oder dem Bösen sind die Geister verhaftet, auch wenn einige von ihnen gut, andere hingegen böse sind. Geister sind demnach dauernd auf dem Weg und das Einzige, was sie für einen Moment verweilen lässt, ist ein gutes Spiel: das Tarot - ob in Form von Karten, oder Würfeln, oder Gläser-auf-dem-Tisch-rücken. Dann sind sie auch bereit, ihre Kenntnis der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als Einsatz in den "Topf" zu legen, ohne über den Gewinn zu feilschen. Oder anders gesagt, ist es ihre Art von Bezahlung. Denn womit sollten sie das Vergnügen bezahlen, drei gut geworfene - und wieder aufgefangene - Jonglierbälle zu bestaunen, wenn nicht mit ihrem Wissen? Geld oder andere materielle Güter haben sie keins. Es kommt also darauf an, einen Geist zu einem Spiel zu verleiten, oder ihn damit zu erfreuen, um die Wahrheit zu erfahren. Diese Kunst bezeichnen die Guîrfóg als Tarot.

Tarotmeisterin

Fragt man einen Guîrfóg, ob er jemanden kenne, der aus der Hand lesen kann, oder sich auf Weissagungen verstehe, so erhält man höchst wahrscheinlich die geflüsterte Gegenfrage: "Meinst du eine richtige Tarotmeisterin?" Bejaht man dies, verdreht der Guîrfóg die Augen und erklärt einem, wie schwer und gefährlich es sei, mit der Geisterwelt in Kontakt zu treten und entgegen den Listen Mearaicheahs die Wahrheit heraus zu finden. So eine Tarotmeisterin bräuchte eine Menge Erfahrung und sollte daher schon mal steinalt sein, doch das Wichtigste sei der Segen der heiligen Zarah, weshalb nur alle dreihundert Jahre eine wirkliche, eine echte, so eine wirklich echte Tarotmeisterin geboren würde. Und dass alle dreihundert Jahre so jemand geboren werde, den Segen der heiligen Zarah bekäme und darüber hinaus auch noch steinalt und weise werde, sei ja ganz, ganz selten. Dann legt er einem den Arm um die Schultern, nennt einen "Freund" und preist einen als absoluten Glückspilz, denn zufällig (und dabei schüttelt er den Kopf, als ob er es selbst nicht fassen könne), rein zufällig (oder wäre das Schicksal?) sei seine Oma, ja genau seine Großmutter, also die Mutter seiner Mutter, eine Tarotmeisterin. Was man jetzt dazu sagen solle?! Das wäre ja kaum zu glauben! Dann verdunkeln sich die Gesichtszüge etwas und die Stirn legt sich in Falten, denn seine Oma sei auch nicht mehr so gesund, ob das Tarot vielleicht nicht doch zu sehr an ihren Kräften zehre? Aber er wolle ein gutes Wort für seinen "Freund" einlegen, denn schließlich sei er ja nicht irgendein Jahrmarktsbesucher, sondern schon fast ein Familienmitglied und für so jemanden, sollte es doch möglich sein, dass seine Oma, die Tarotmeisterin noch einmal alle Kräfte zusammen nehme, um ihm seine Fragen zu beantworten und in die schicksalhafte Zukunft zu blicken - auch wenn man anschließend wieder Unsummen an Geld für die Medikamente ausgeben müsse, die seine Oma nach so einer Kräfte zehrenden Prozedur brauche, um sich wieder zu erholen. Ja, beim letzten Mal wäre es schon beinahe um sie geschehen, da wäre sie fast nicht mehr aus der Trance erwacht, in die sie nach dem Tarot gefallen sei, aber einmal, ein letztes Mal noch, dazu wolle er sie überreden. Das wolle er für seinen "Freund" tun. Und schließlich gelangt man endlich zu der Tarotmeisterin, welche wirklich steinalt ist und sich wirklich nur noch mithilfe einer Medizin, deren alchimistisches Basiselement alkoholischer Art zu sein scheint, am Leben erhält. Endlich darf man Platz nehmen und sitzt vor dem Tisch, auf dem die gestapelten Karten liegen. Im Hintergrund leuchtet die Kristallkugel schwach vor sich hin und an der Zeltwand ist ein Beutelchen mit Runenstäbchen, Hühnerknochen, oder Steinen befestigt. Der Guîrfóg klopft einem noch einmal aufmunternd auf die Schulter und entschuldigt sich, dann tritt er hinaus ins Freie und zieht den Vorhang hinter sich zu. Der Rest, also die Weissagung, ist privat - wenn man mal von der Geisterwelt und Mearaicheah und der Tarotmeisterin absieht und davon ausgeht, dass am nächsten Tag nicht die ganze Guîrfóg-Sippschaft informiert wurde. Nach ungefähr einer Stunde kennt man dann seine wahre Natur, seine ureigenste Lebensfrage, die helfenden und störenden Faktoren oder Personen, die Lösung für das tatsächliche Problem und seine Zukunft - wenn man es ausdrücklich wünscht, bis zu seinem Tod. In der Regel trifft auch alles ein, was die Tarotmeisterin geweissagt hat, denn schließlich ist sie nicht umsonst Tarotmeisterin geworden. Dazu waren schon dreihundert Jahre Warten, der Segen der heiligen Zarah und jede Menge Erfahrung bis ins hohe Alter von Nöten. Sollte es jedoch einmal anders kommen, als von einer Tarotmeisterin vorher gesagt, und sollte der Zufall es wollen, dass diese Tarotmeisterin noch nicht mit unbestimmten Ziel weiter gereist ist, wird die Beschwerde höchstens mit einem Achselzucken quittiert und dem Hinweis, dass Mearaicheah das Schicksal wohl im Nachhinein gebeugt habe, um ihren Spaß mit ihm zu treiben. Dann sind allerhand Schutzzauber notwendig, die noch stärker an den Lebenskräften der steinalten Tarotmeisterin zehren, was noch mehr Medizin erforderlich macht, weshalb man sein Geld auch nicht mehr zurück bekommt, sondern noch etwas mehr zahlen muss, denn man kann doch nicht die alte Dame, die sich schon soviel Mühe mit einem gemacht hat, ja ihre Gesundheit nur seinetwegen aufs Spiel setzte und dies jetzt sogar noch einmal tut, um einen vor den Flüchen, die da drohen, zu schützen, im Stich lassen. In der Regel helfen diese Schutzzauber dann auch und es passiert nichts weiter Schlimmes, aber da Mearaicheah nun das Schicksal gebeugt hat, ist es schwerer geworden, noch einmal eine treffende Weissagung zu machen und die Tarotmeisterin ist auch noch viel zu erschöpft und muss sich erst einmal erholen. Und als "Freund" müsse er einen auch mal ermahnen. Es sei ja nett, dasss der "Freund" weiteres Geld für die teure Medizin seiner Oma ausgeben wolle, doch sei der Blick in die Zukunft soviel auch nicht wert und man solle nicht sein ganzes Vermögen aufs Spiel setzen, denn vielleicht hätte Mearaicheah es ja gerade darauf abgesehen.

Beziehungen zu anderen Völkern

Die Guîrfóg sind grundsätzlich freundlich jedem gegenüber eingestellt, sofern er keine bösen Absichten zeigt, in der Vergangenheit gezeigt hat, oder dies laut Weissagung noch tun wird. In einem solchen Fall werden die Guîrfóg ihren scheinbaren oder tatsächlichen Feind nach Kräften meiden, im Extremfall würden sie sogar lieber mitten in der Nacht weiterreisen, als mit einem einzelnen Bewohner eines Dorfes einen offenen Konflikt beginnen. Jedoch sollte man nicht den Fehler machen, sie für feige zu halten. Im Laufe der Generationen haben sie gelernt, dass ein ganzes Dorf mit Büteln eben stärker ist als eine einzelne Sippe. Das hält die Guîrfóg natürlich nicht davon ab, ihre Gegner zu bekämpfen. Sie tun dies nur subtiler; mit Flüchen, einem gut gezielten Wurfmesser oder auch plötzlich verschwundenem Besitz ihres Feindes. Diese Fälle sind jedoch selten. Sehr viel häufiger sind recht harmlose Schlägereien, bei denen gerne auch Messer eingesetzt werden, jedoch gibt es nur sehr selten ernsthafte Verletzungen. Im Kampf mit einem Fremden reicht es einem Guîrfóg, ihn vorzuführen. Es ist nicht nötig, den übermütigen Bauernburschen wirklich zu verletzen, er muss nur sehen, dass man es leicht tun könnte und wird sich geschlagen geben. Diese Taktik spiegelt das Bild wieder, welches die Guîrfóg von den Nichtfahrenden haben: unkultivierte Kindsköpfe, die noch verdammt viel zu lernen haben. Diese recht arrogant klingende Einstellung ist jedoch gepaart mit einer fast väterlichen Nachsicht; so reagieren Guîrfóg auf einen Verstoss gegen ihre Sitten seitens eines Nichtfahrenden vielleicht nur mit einem finsteren Blick oder einer abfälligen Geste, während sie ihren eigenen Bruder für eben diesen Verstoss zu einem Messerkampf bis auf das erste Blut herausgefordert hätten.

Kulturelles

Namensgebung

Jeder Guîrfóg hat drei Eigennamen von jeweils bestimmter Bedeutung. Der Geburtsname stellt den eigentlichen Namen dar und bezeichnet meist ein besonderes, um die Geburt herum geschehendes, Ereignis. Da sich ein solches Ereignis meist nur mit mehreren Worten ausreichend beschreiben lässt, ist der Geburtsname entsprechend lang. Manchmal werden auch Silben ausgelassen, bis ein relativ kurzes, aber kaum noch aussagekräftiges Kunstwort entsteht. Der Geburtsname darf nur von Mitgliedern der eigenen Familie und von Caurlliâhi, die auch eine fremden Sippe angehören dürfen, verwendet werden. Der Sippenname wird einem Kind üblicherweise erst dann gegeben, wenn es aus eigener Kraft den Wagen verlassen kann und so zum eigentlichen Sippenmitglied wird. Er beschreibt meist eine Eigenschaft, die man sich für das Kind wünscht, seltener eine Eigenschaft, die das Kind bereits an den Tag legt. Beliebte und verbreitete Sippennamen bedeuten, jeweils in unsere Sprache übersetzt "Satt" "Gesund" "Kräftig" "Tapfer" "Wohlhabend" "Glücklich". Eine Unterscheidung zwischen Frauen- und Männernamen gibt es nicht. Der Sippenname darf von allen Guîrfóg benutzt werden, selten auch von Nichtfahrenden, die sich als gute Freunde erwiesen haben. Zuletzt gibt es noch den Reisenamen, der meist lediglich eine Übersetzung des Sippennamens in die Landessprache oder ein ähnlich klingender Name ist. Beispielsweise kann ein Guîrfóg mit Geburtsnamen Beithâs Cémhual heissen, was eine gerade noch verständliche Zusammenhiehung von "ein kläffender Hund" ist ( während der Geburt kläffte ein Hund pausenlos vor dem Wagen ). Sein Sippenname lautet Ramu'arr, was in etwa wohlgenährt [wörtlich: Bauch, permanenter Zustand-voll] heisst und den Wunsch ausdrückt, der Fahrende möge niemals Hunger erleiden. Sein Reisename währe dann der inhaltlich gleichbedeutende Feistbert, oder der klangähnliche Raimund.

Familienbande

Innerhalb der Sippe herrscht zwar ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl, jedoch wird auch grosser Wert auf die einzelne Familie gelegt, die als in sich eigenständigen Teil der Sippe versteht. Dabei ist zu beachten, dass als Familie ausschliesslich das Gefüge Väter-Mutter-ledige Kinder verstanden wird. Eine Fahrende, die je nach Wohlstand mit bis zu drei Männern -üblicher sind aber ein einzelner Mann, maximal zwei Männer- verheiratet sein kann, ist somit nicht mehr Teil der elterlichen Familie. Ihre Eltern, sowie die Eltern ihres Mannes/ihrer Männer gelten, sofern sie keine weiteren, noch unverheirateten Kinder haben, als familienlos. Sie sind nun reine Sippenangehörige und werden, alls sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind, von allen Mitgliedern der Sippe versorgt. Es existiert eine geschlechterspezifische Aufgabenteilung, die nur in Ausnahmefällen nicht eingehalten wird. Allerdings ist diese Aufgabenteilung für Aussenstehende leicht missverständlich. Beispielsweise ist zwar die Zubereitung der Mahlzeiten eine Frauenarbeit, die gemeinsam und scheinbar mit viel Klatsch und Tratsch verrichtet wird, jedoch dient der gemeinsame Kochvorgang neben der offenkundigen Nahrungszubereitung der Regierung der Sippe. Was wie Klatsch und Tratsch aussieht, ist ein Wirklichkeit ein Austausch von Neuigkeiten, Spannungsabbau zwischen den Familien und Planung kommender Reisen und Lager. Im Gegenzug vertreten die Männer zwar die Sippe nach aussen, jedoch ohne wirkliche Entscheidungen zu treffen. Alles wird zuerst den Frauen weitererzählt, die dann gemeinsam entscheiden. Es ist alsodurchaus normal, dass ein Nichtfahrender von einem Guîrfóg auf Angebote und Anfragen, die über normalen Handel hinausgehen, ausweichende Antworten bekommt, und erst am folgenden Tag erneut angesprochen wird. Üblich sind dabei Floskeln wie "Ich selbst möchte den Ochsen nicht kaufen...aber ich frage mal meine Brüder", "Hm..ich überlege es mir mal in Ruhe" oder "Darüber möchte ich mir jetzt keine Gedanken machen. Hörst du denn nicht die Musik?" und am Folgetag "Mein Bruder hat zwar keine Zeit, aber der würde einen Ochen brauchen. Weisst du was, ich kauf das Vieh einfach und schenk es ihm nachher", "Ich hab mir das mal durch den Kopf gehen lassen..." "Gestern? Oh, das hab ich glatt vergessen. Worum ging das nochmal? Ah..mh..gut, machen wir so", die eine direkte Entscheidung der Männer vortäuschen. Dabei geht es nicht um Täuschung oder Stolz, man empfindet es lediglich als unhöflich, einem Nichtfahrenden das Gefühl zu geben, nur über Boten kommunizieren zu können. Sollte man sich direkt an eine der Frauen wenden, dann sollte man zumindest so tun, als würde man eigentlich lieber mit dem Mann sprechen wollen. Es ist nämlich sehr unhöflich, die Männer zu übergehen. die Frauen werden sich in einem solchen Fall alles geduldig anhören und sagen, dass sie das gern den Männern ausrichten.

Adoption

Bei den Guîrfóg sind drei Arten der Adoption bekannt. Zunächst die Adoption von Kindern, die ihre Eltern verloren haben. Diese wird ganz unbürokratisch durchgeführt. Wer eines oder mehrere Kinder aufnehmen kann, tut das nach dem Prinzip "wer zuerst kommt adoptiert zuerst". Sollte ein Kind nicht adoptiert werden, weist es die Caurlliâh einer Familie zu. Auf diese Weise können auch Kinder adoptiert werden, die nicht zu den Fahrenden gehören. Bevor ein Guîrfóg ein Kind verhungern lässt, adoptiert er es lieber. Dann gibt es die Adoption zwischen den Sippen. Dabei werden meist ganze Familien adoptiert, etwa nach einer sippenübergreifenden Heirat oder einem Unglück, wenn von einer Sippe nicht mehr genug Familien am Leben sind, um eine eigenständige Sippe zu bilden. In diesen Fällen wird meist wortlos eine Lücke in der Wagenburg oder Reisekolonne gebildet, in die sich die Adoptierten einfügen. Seltener wird die Adoptionsabsicht auch verbal vorgetragen, ganz formlos durch ein lapidares "willst du mitfahren?". Zuletzt gibt es die Adoption von Nichtfahrenden, die etwas komplexer ist. Sofern ein Nichtfahrender sich als vertrauenswürdig erwiesen hat, wird ihm üblicherweise eine Adoption angeboten. Dies sollte immer abgelehnt werden, da es nicht ernst gemeint ist. Sollte eine Person wirklich so grosses Vertrauen und Ansehen geniessen, dass sie tatsächlich dauerhaft willkommen ist, wird ihr mehrfach die Adoption angeboten. Erst nach mindestens 12 ausgeschlagenen Angeboten wird ihr eröffnet, dass sie nun nicht mehr gefagt wird, da sie ohnehin immer ablehnt. Dieser Satz ist dann die eigentliche Adoption und von nun an steht es dem Nichtfahrenden frei, sich jederzeit für immer oder auch nur auf Zeit der Sippe anzuschliessen. Jedoch hat er für ein eigenes Transportmittel zu sorgen.

Wagenzug

Jede Sippe besitzt meist 2 offene Wagen, auf denen gemeinsame Vorräte transportiert werden. Diese Wagen fahren im Zug jeweils an erster und letzter Position. Dies hat zunächst den Grund, dass sich niemand zurückgesetzt fühlt, da in einigen Sippen die Reihenfolge der Wagen nach Ansehen der Besitzer festgelegt wird. Zudem soll auf diese Weise verhindert werden, dass im Falle eines Unglücks, das erfahrungsgemäss meist Wagen an den exponierten Positionen ganz vorne und ganz hinten trifft, keine einzelne Familie betroffen ist. Jeder verliert etwas, aber niemand verliert alles. Wie bereits erwähnt, ist bei einigen Sippen die Reihenfolge der Wagen vom Rang ihrer Besitzer abhängig, man sollte sich aber nicht darauf verlassen. Denn weitaus üblicher sind Anordnungen nach Alter der Fahrer, Namen der Zugtiere, Aussehen der Wagen, Farbe der Vorhänge oder auch purem Zufall.

Hochzeitsbräuche

Eine Fahrende, die gleichzeitig das eigentliche Familienoberhaupt ist, darf mit bis zu drei Männern gleichzeitig verheiratet sein, üblicher sind allerdings zwei Männer oder die Einehe. Bei einer Mehrehe gelten je nach Sippe bestimmte Sitten, die beachtet werden müssen. Bei nördlicher reisenden Sippen darf eine Frau erst nach der Geburt ihres ersten Kindes einen weiteren Mann heiraten, bei südlicher fahrenden Sippen müssen alle Männer gleichzeitig geheiratet werden. Innerhalb der Familie sind alle Männer absolut gleichberechtigt. Bei Ehen, die zwischen Angehörigen verschiedener Sippen geschlossen werden, wird die neu entstandene Familie in die Sippe der Braut aufgenommen. Zum Ausgleich für den Verlust eines Sippenmitgliedes muss der Sippe des Mannes eine Entschädigung gezahlt werden. Meist werden dazu Waren oder Schmuck in Form eines Hochzeitsgeschenks "gezahlt", seltener eines der wertvollen Tiere und niemals Geld, was als krasse Beleidigung aufgefasst werden würde. Laut altem Brauch bekommen die Eheleute von der Sippe der Braut einen der beiden offenen Gemeinschaftswagen geschenkt, den sie sich dann selbst nach ihren Bedürfnissen ausbauen. Dabei und beim Bau eines neuen Gemeinschaftswagens ist die gesamte Sippe beteiligt.

Winterlager

Angeblich existiert irgendwo im Gebirge -in welchem Gebirge genau weiss niemand- ein geheimes Tal, in dem die Guîrfóg überwintern. Dort haben sie eine prunkvolle Stadt erbaut, mit Häusern und Palästen aus Marmor, magischen Springbrunnen und großzügigen Parks. Davon stimmt wohl nur, dass die Guîrfóg tatsächlich in einem dauerhaften Lager überwintern. Meist schliessen sich drei bis sechs Sippen zusammen, um gemeinsam in einem wirren Knäuel aus Wagenburgen zu überwintern. Diese Wagenburgen werden üblicherweise abseits von festen Siedlungen in der Nähe von Wäldern und fischreichen Gewässern aufgebaut. Da sie in den Wintermonaten vermehrt Feuerholz benötigen und kaum ausreichend Lebensmittel für eine so lange Zeit auf Vorrat sammeln können, versorgen sie sich mit Axt, Netz und Falle aus der Umgebung. Dabei verstossen sie fast zwangsläufig gegen eventuell geltende Holz-, Jagd- und Fischereirechte, was auch der Grund für die Abgeschiedenheit ihrer Winterlager ist.


Küche und Kleidung

Da sich ein Acker oder eine große Herde an Vieh nicht ohne weiteres transportieren lässt, sind die Guîrfóg auf Lebensmittel aus der Region angewiesen. Während der Reise ist es Aufgabe der Kinder, entlang des Weges alles einzusammeln, was sich irgendwie als Nahrung verwerten lässt. Ist die Sippe in einer Siedlung angekommen, wird meist sofort weitere Nahrung gekauft oder eingetauscht. Besonders Brot und Gemüse erfreut sich grosser Beliebtheit, und nicht selten sieht man auf den Wagendächern befestigte Tonkübel, in denen sich auch unterwegs zumindest kleine Mengen an Gemüse ziehen lassen. Der ständige Wechsel dessen, was an Lebensmitteln zu Verfügung steht und die Beschränkungen an Küchenutensilien hat die Guîrfóg eine einfache, aber in ihrem Einfallsreichtum einzigartige Küche entwickeln lassen. Sämtliche Gerichte werden als dicke Suppe oder Eintopf gekocht; oft gibt es nur einen einzigen Topf von imposanter Grösse für die gesamte Sippe. Der Geschmack wird ausschliesslich über Mischungen von wilden Kräutern und Gewürzen erzielt, deren Zusammensetzung zu lernen Jahre bedarf. Köchinnen, die diese Kunst meisterhaft beherrschen schaffen es, aus völlig unterschiedlichen Zutaten jeweils absolut identisch schmeckende, meist sehr scharfe Gerichte zu zaubern. Selbst das Frühstück besteht aus einem Eintopf, der jedoch eingedickt und kalt zu etwas Brot gegessen wird. Üblicherweise wird das Frühstück auch weniger scharf gewürzt; doch treibt selbst dies den meisten Nichtfahrenden die Tränen in die Augen. Die Reste des Frühstücks werden in kleine Tontöpfen gefüllt, und dienen als Verpflegung über den Tag hinweg bis zum Abendessen. Die Kleidung der Guîrfóg ist sowohl zweckmässig, als auch aufwendig. Da Schafe, Spinnräder und Webstühle fehlen, wird meist Tuch gekauft, seltener auch fertige Kleidung, die dann geändert wird. Die Männer -Nähen ist Männerarbeit- investieren viel Zeit in jedes einzelne Kleidungsstück, und das sieht man auch. Neben den auffälligen, oft leicht in der Sonne schillernden Farben ist jedes Hemd, jeder Rock und jede Hose perfekt auf ihren Besitzer massgeschneidert und mit Perlen, Münzen und in seltenen Fällen sogar Edelsteinen geschmückt. Männer tragen meist enge Hosen mit Schaftsstiefeln, dazu ein weites Hemd, welches den Oberkörper muskulöser wirken lässt. Am linken Unterarm befindet sich ein Futteral für ein Wurfmesser, welches offen und als Statussymbol getragen wird. Das eigentliche Wurfmesser wird verdeckt, meist im Stiefel oder Gürtel, gelegentlich auch im Hemdkragen getragen. Die Frauen tragen im Gegensatz dazu enge Blusen mit tiefem Dekolleté und Bauschärmeln, dazu mehrere Röcke übereinander, wodurch die Hüfte ihrem Schönheitsideal entsprechend ausladender wirkt. Sofern das Wetter es gebietet, wird diese Kleidung durch einen Umhang und Handschuhe komplettiert und mit einem weichen, meist breitkrempigen Hut ergänzt.


Kund und Handwerk

Da sie auf ihren Reisen stets Gelegenheit haben, an exotische Waren und Neuigkeiten aus aller Welt zu gelangen, verdienen die meisten Guîrfóg ihr Geld mit Handel und blumigen, gerne auch mit Musik untermalten Geschichten, in denen die aktuellen Neuigkeiten erzählt werden. Sie sind zwar auch geschickte Handwerker, insbesondere ihre Schnitz- und Schneiderwaren sind von hoher Qualität und erfreuen sich grosser Beliebtheit, jedoch werden diese meist nur für den Eigengebrauch hergestellt. Gaukeleien, Wahrsagerei und Akrobatik, natürlich auch Musik und Tanz bieten weitere Verdienstmöglichkeiten. Diebstähle und Bettlerei werden den Fahrenden zwar oft nachgesagt, sind jedoch keine gängigen Einkommensquellen. Gestohlen wird nur in Ausnamhefällen, meist bleibt es bei gelegentlichem Mundraub -Eier, Milch und Feldfrüchte werden nicht immer als Privatbesitz angesehen und daher gerne mal "eingesammelt"- oder harmlosen Diebereien, die bei den Kindern als Mutprobe gelten. Gebettelt wird aus Prinzip nicht, aber gegen einen geschickten Betrug haben die Guîrfóg nichts einzuwenden, sofern dabei keine Notlage vorgetäuscht wird.

Militär und Magie

Selbstverständlich kann eine einzelne Sippe kein stehendes Heer unterhalten, und auch im Zusammenschluss sind die Sippen viel zu unabhängig, als dass sie sich auf einen gemeinsamen Befehlshaber einigen könnten. Trotzdem sollte man niemals den Fehler machen, und die Guîrfóg unterschätzen. In die Ecke gedrängt, wird jedes dazu körperlich fähige Mitglied der Sippe seine Haut so teuer wie nur irgend möglich verkaufen, und dabei einen erstaunlichen Einfallsreichtum zeigen. Zudem halten die einzelnen Sippen, selbst wenn sie untereinander verfeindet sind, gegen einen äusseren Feind bedingungslos zusammen. Kurioserweise taucht auch fast immer eine weitere Sippe genau dann auf, wenn sie gebraucht wird. Es scheint, als stünden die Sippen miteinander in irgendeiner Form von Verbindung und hätten eine Möglichkeit, weite Strecken notfalls in kürzester Zeit zu überbrücken. Wenn nötig bauen die Guîrfóg zur Verteidigung temporäre Wagenburgen aus ihren Wagen, die je nach Anzahl der Beteiligten Wagen aus einer oder zwei Wagenreihen errichtet werden, wobei die Zugtiere dann nach innen geführt werden. Diese temporären Burgen lassen sich erstaunlich gut auch gegen eine Überzahl verteidigen und bieten sogar Schutz vor Reiterei. Magisch begabte Guîrfóg scheinen, zumindest was die weiblichen Angehörigen der Sippen angeht, eher die Regel als die Ausnahme zu sein. Jedoch handelt es sich dabei wohl kaum um "echte" Magie, wie sie von den Spektabilitäten an den Akademien und Konzilen erforscht wird, sondern eher um eine intuitive Magie von unterschiedlich starker Ausprägung. Weit verbreitet ist eine schwache, sogenannte passive Intuitivmagie, die sich in gelegentlichen, nicht willentlich herbeiführbaren Offenbarungen die Zukunft betreffend äussert; wesentlich seltener und höher angesehen ist die aktive Intuitivmagie, die bewusstes Vorhersagen der Zukunft mit und ohne Hilfsmittel, aber auch Bann- und Beschwörungsriten, gar wirksame Flüche und Heilungen erlaubt. Diese keineswegs zu unterschätzende Form der Magie tritt meist nur bei einigen wenigen Frauen auf, die innerhalb der Sippe hohes Ansehen geniessen.