Liedgut des Barden Walter von der Salzwiese: Unterschied zwischen den Versionen

Aus AntamarWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
(Balladen)
(Balladen)
Zeile 316: Zeile 316:
 
<div class="NavContent">
 
<div class="NavContent">
  
Ihr Leute, lasset mich berichten, .<br />
+
Ihr Leute, lasset mich berichten, <br />
von gar wundersamen Geschichten, .<br />
+
von gar wundersamen Geschichten, <br />
Eine tue ich Euch nun kund, .<br />
+
Eine tue ich Euch nun kund, <br />
sie ist zu Orstoc einst geschehen, .<br />
+
sie ist zu Orstoc einst geschehen, <br />
und ihr Held, das war ein Hund. .<br />
+
und ihr Held, das war ein Hund. <br />
  
Ein reicher Bauer mit dem Namen Friedrich Klein, .<br />
+
Ein reicher Bauer mit dem Namen Friedrich Klein, <br />
kehrte nach dem Marktbesuch in ein Wirtshaus ein. .<br />
+
kehrte nach dem Marktbesuch in ein Wirtshaus ein. <br />
Er hatte Vieh verkauft, trug bei sich den Erlös, .<br />
+
Er hatte Vieh verkauft, trug bei sich den Erlös, <br />
Das rochen in der Schenke zwei Räuber, bitterbös. .<br />
+
Das rochen in der Schenke zwei Räuber, bitterbös. <br />
Als nun der reiche Bauer des Nachts zu Bette ging, .<br />
+
Als nun der reiche Bauer des Nachts zu Bette ging, <br />
beschlossen diese Räuber zu drehen ein schlimmes Ding. .<br />
+
beschlossen diese Räuber zu drehen ein schlimmes Ding. <br />
  
Sie schlichen im Gasthaus in seine Kammer hinein, .<br />
+
Sie schlichen im Gasthaus in seine Kammer hinein, <br />
und drangen mit ihren Messern bedrohlich ein auf Friedrich Klein..<br />
+
und drangen mit ihren Messern bedrohlich ein auf Friedrich Klein.<br />
Schon packten ihn die Schlimmen, an seiner bloßen Kehle, .<br />
+
Schon packten ihn die Schlimmen, an seiner bloßen Kehle, <br />
da schrie mit letzten Kräften, Friedrich die Angst sich von der Seele .<br />
+
da schrie mit letzten Kräften, Friedrich die Angst sich von der Seele <br />
  
 
Das hörte im Stalle, nicht sein Knecht aber der treue Hund, .<br />
 
Das hörte im Stalle, nicht sein Knecht aber der treue Hund, .<br />
er riss sich von der Kette und schon er in der Kammer stund .<br />
+
er riss sich von der Kette und schon er in der Kammer stund <br />
bevor die Mörder die Messer setzten an, .<br />
+
bevor die Mörder die Messer setzten an, <br />
er stürzt sich auf die Kerle und rettet so den Mann. .<br />
+
er stürzt sich auf die Kerle und rettet so den Mann. <br />
  
Da ward überwältigt, die böse Mörderbrut, .<br />
+
Da ward überwältigt, die böse Mörderbrut, <br />
zu Orstoc, auf dem Richtblock, da floss zum Lohn ihr Blut. .<br />
+
zu Orstoc, auf dem Richtblock, da floss zum Lohn ihr Blut. <br />
Doch in dem Kampf fügten sie dem treuen Tier zu eine böse Wund. .<br />
+
Doch in dem Kampf fügten sie dem treuen Tier zu eine böse Wund. <br />
Und schon am nächsten Tage da starb der arme Hund. .<br />
+
Und schon am nächsten Tage da starb der arme Hund. <br />
  
Es setzt in seinem Garten, der Bauer Klein .<br />
+
Es setzt in seinem Garten, der Bauer Klein.<br />
dem treuen braven Hunde aus Marmor einen Stein. .<br />
+
dem treuen braven Hunde aus Marmor einen Stein.<br />
Darauf stand geschrieben dieses hier: .<br />
+
Darauf stand geschrieben dieses hier: <br />
Viel treuer als die Menschen ist oft ein Hundetier. .<br />
+
Viel treuer als die Menschen ist oft ein Hundetier.  
 +
 
 +
</div>
 +
</div>
 +
 
 +
<div class="NavFrame collapsed">
 +
<div class="NavHead">Die Geschichte vom Räuber Hannes</div>
 +
<div class="NavContent">
 +
 
 +
Es sagt einst ein Kind zur seiner Großmama: <br />
 +
"Wenn ich erwachsen bin, was werd ich da?  <br />
 +
Hab wenig Lust auf Feldarbeit. Kann ich vielleicht ein Räuber sein? <br />
 +
Muss wenig tun, nur ein bisschen rauben. Das wär' einfach und sehr fein." <br />
 +
Die Alte wiegt besorgt den Kopf, streichelt sanft den Enkelsohn. <br />
 +
"Ich erzähl dir 'ne Geschichte, die beantwortet deine Frage schon." <br />
 +
Lehnt sich zurück, dann hebt sie an und sie erzählt, <br />
 +
die Geschichte vom Räuber Hannes hat sie gewählt. <br />
 +
 
 +
Durch des Waldes düstre Gründe auf naturverschlungnem Pfaden  <br />
 +
wandelt eine Magd zum Markt nach Vellhafen mit schmerzenden Waden. <br />
 +
Hui, da plötzlich stürmt des Banditen kühner Sohn aus dem Geheg, <br />
 +
scharf bewehrt bis an die Zähne, und vertritt ihr flugs den Weg. <br />
 +
 
 +
"Seid Ihr", fragt die Frau erblassend, einer dunklen Ahnung voll, <br />
 +
"nicht vielleicht der Räuber Hannes, der allhier grassieren soll?" <br />
 +
"Ja, ich bin´s, du Unglücksel´ge, ja, ich bin´s, der sich dir zeigt, <br />
 +
und du bist diejen´ge, welche sich nun vor mir verneigt. <br />
 +
Denn mit hochwillkomm´ner Beute nahst du mir zu guter Stund!" <br />
 +
Sprachs und nahm ihr weg den Korb, durchwühlt ihn schnell bis auf den Grund. <br />
 +
 
 +
Und wie Schuppen von den Augen fällt´s der schlichten Magd sogleich: <br />
 +
"Ihr seid Hannes!", ruft sie bleich. "Bin es!" spricht der Räuber weich. <br />
 +
"Bin´s und sage dir noch dieses: ich töte dich du dummes Weib, <br />
 +
bringst du mir nicht auf dem Rückweg Gold, ramm ich meinen Dolch in deinen Leib." <br />
 +
 
 +
Die Magd wird blass und blässer und eilt zum Markt, sucht den Büttel Reodan, <br />
 +
findet ihn, fragt ängstlich dann, ob er ihr wohl helfen kann. <br />
 +
Jener stimmt zu, sie zu begleiten, denn den Räuber will er fangen, <br />
 +
baumeln soll der Räuber Hannes, an dem Galgen soll er hangen. <br />
 +
 
 +
Gesagt, getan und aus dem Walde eilt der Hannes schnell heran, <br />
 +
denn er sieht nur das Mägdelein und nicht den guten Reodan. <br />
 +
Jener hat sich vorher schon gut versteckt hinter einer dicken Eich, <br />
 +
er springt heraus, macht sich ganz groß und packt sogleich, <br />
 +
dann den Räuber Hannes fest am Arm und am Halse an, <br />
 +
damit der Bösewicht dem harten Griffe nicht entweichen kann. <br />
 +
 
 +
"Schurke! Hab dich!" so donnert er, <br />
 +
"Nun entkommst du mir nicht mehr!" <br />
 +
"Mit des Seilers Tochter mach ich dich bekannt, <br />
 +
aufatmen wird das ganze Land." <br />
 +
 
 +
Und die Moral von der Geschicht? <br />
 +
Werde besser Räuber nicht, <br />
 +
Sonst landet man am Ende nur an einem Strick und baumelt dann im Wind. <br />
 +
Drum werde artig und bleib brav, sonst kommt Reodan mein Kind. <br />
  
 
</div>
 
</div>

Version vom 16. Februar 2026, 14:52 Uhr


Walter von der Salzwiese – Barde aus Vellhafen

Walter von der Salzwiese gilt als einer der hoffnungsvollsten jungen Spielleute Vellhafens. Mit seinen gerade einmal erwachsenen Jahren hat er sich bereits einen Ruf erarbeitet, der manch älteren Barden neidisch werden lässt. Freundlich im Wesen, mit einer klaren, warmen Stimme und einem Talent, das Zuhörer mühelos in seinen Bann zieht, ist er in Schenken, auf Märkten und bei Festen gern gesehen.

Sein erstes Werk, „Das Lied von Brunihild“, verbreitete sich rasch über die Grenzen Vellhafens hinaus und wurde zu einem antamarweit bekannten Gassenhauer. Schon als Junge schickte Walter seine Verse und Melodien an den Vellhafener Kurier und erhielt dort früh Anerkennung für seine Dicht- und Vortragskunst.

Herkunft und Familie

Walter stammt aus Ismar, wo sein Vater Hein von der Salzwiese einen erfolgreichen Hof bewirtschaftet. Die Schafe der Familie grasen auf den salzhaltigen Wiesen Ismars, was dem Fleisch der berühmten Salzlämmer einen besonderen Geschmack verleiht. Wohlstand und Fleiß prägen Walters Herkunft, und es mangelte der Familie nie an etwas.

Sein künstlerisches Talent verdankt Walter vor allem seiner Mutter Irina, die einst als Bardin unter dem Beinamen „Die Lerche aus Ismar“ bekannt war. Sie tritt heute nicht mehr öffentlich auf, doch ihre Stimme und ihr Gespür für Melodie leben in ihrem Sohn weiter. Walters Brüder hingegen blieben der Landwirtschaft treu und führen den elterlichen Hof fort.

Balladen

Walters Balladen erzählen von Liebe, Schicksal, Heldentum und den stillen Tragödien des Alltags. Sie sind länger gefasste Erzählgedichte, die oft auf wahren Begebenheiten beruhen oder von alten Sagen inspiriert wurden. Mit klarer Stimme und feinem Gespür für Stimmung trägt Walter sie auf Märkten, in Schenken und bei Festen vor.

Gassen- und Handwerkslieder

In diesen Liedern besingt Walter das Leben der einfachen Leute: Handwerker, Händler, Hafenarbeiter und all jene, die in den Straßen und Gassen Vellhafens ihren Alltag bestreiten. Die Stücke sind oft humorvoll, manchmal rau, aber stets voller Wärme für die Menschen, die sie porträtieren. Viele davon entstanden unterwegs, zwischen Marktständen, Werkstätten und Tavernen.

Belbrücks

Belbrücks sind kurze, scherzhafte Fünfzeiler, die in Antamar weit verbreitet sind. Walter sammelt sie seit seiner Jugend und dichtet selbst unzählige neue, meist über Orte, Menschen oder Begebenheiten, die ihm auf seinen Reisen begegnen. Sie folgen einer festen Reimform und werden in Tavernen gern laut mitgesprochen — oft zur großen Freude des Publikums.