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La Llorona (Legende)

La Llorona (Aurento für: „Die Weinende“ oder „Die Wehklagende“) ist eine der bekanntesten und gefürchtetesten Schreckgestalten in der Folklore des Königreichs Westendar. Sie wird als Geist einer Frau beschrieben, die in ewigem Leid um ihre Kinder klagt, die sie einst in einem Moment geistiger Umnachtung in den Fluten eines Flusses verlor. Ihr Erscheinen gilt als sicheres Vorzeichen für Tod oder unglückselige Ereignisse.

Erscheinungsbild

Augenzeugen berichten meist von einer blassen, in zerschlissene, weiße Gewänder gehüllten Frau, die an eine Braut erinnert. In den dunkleren Erzählungen, die besonders in den abgelegenen Provinzen wie Fluvados oder Rechendro kursieren, erscheint sie jedoch als dürre, skelettartige Gestalt mit glühenden, vor Schmerz verzerrten Augen. Sie ist fast ausschließlich in der Nähe von Flussläufen, Kanälen oder stehenden Gewässern anzutreffen.

Die Legende

Obwohl die Details in den verschiedenen Regionen Westendars variieren, ist der Kern der tragischen Geschichte nahezu überall identisch:

Einst war sie eine wunderschöne, hochangesehene Frau, die davon träumte, einen mächtigen Gatten zu finden und eine große, glückliche Familie zu gründen. Doch der Mann, den sie wählte, entpuppte sich als untreu und grausam. Als er sie für eine andere verließ und drohte, ihr die gemeinsamen Kinder zu entreißen, zerbrach ihre Seele unter dem Druck der Demütigung und der Angst um ihren Nachwuchs. In einer Nacht voller Verzweiflung, so heißt es, ertränkte sie ihre Kinder im Rio Fangoso – in anderen Erzählungen war es der Ehemann, der die Tat beging – und stürzte sich im Anschluss selbst in die Fluten.

Wirkung und Aberglaube

Der Geist der La Llorona gilt als zutiefst ambivalent:

  • Die Rache: Es heißt, sie stelle untreuen Ehemännern nach, die ihre Familien im Stich lassen, und ziehe diese in die Tiefe.
  • Der Neid: Die häufigere und gefährlichere Variante besagt, dass sie in ihrem Wahnsinn glaubt, jedes Kind, das sie sieht, sei ihr eigenes. Sie streift deshalb suchend durch die Nächte und versucht, allein spielende Kinder oder Jugendliche an Flussufern zu greifen und in die Strömung zu ziehen.

Man warnt in Westendar Kinder ausdrücklich davor, sich nach Einbruch der Dunkelheit in der Nähe von Flüssen aufzuhalten. Sollte man einer weißen Gestalt begegnen, die fragt: „Wo sind meine Kinder?“, so ist höchste Vorsicht geboten. Wer keine Auskunft geben kann – oder wer versucht, sie zu täuschen – riskiert, von ihr in den Fluss gerissen zu werden. Überlebende einer solchen Begegnung berichten oft von einer schweren, fiebrigen Krankheit oder einem schleichenden Wahnsinn, der sie bis an ihr Lebensende verfolgt.

Kulturelle Bedeutung

Die Geschichte der La Llorona ist tief in der westendarischen Identität verwurzelt. Sie dient nicht nur als Mahnung zur Vorsicht, sondern spiegelt auch das westendarische Temperament und die tragische Romantik wider, die viele Sagen des Landes prägen. In manchen Gebieten, insbesondere nahe Forca und Lago Alto, gibt es kleine, am Flussufer aufgestellte Altäre, an denen die Menschen der „Weinenden“ kleine Opfergaben darbringen – in der Hoffnung, dass ihr Geist von ihnen ablasse und ihre Kinder verschone.

Siehe auch: Sagen und Legenden Westendars